„Liebe Parship-Vermittler,
Anna und ich haben uns im Februar 2011 über ihre Eheanbahnungsplattform kennengelernt. Ich selbst habe mich im Dezember 2010, also gerade zwei Monate vorher bei Ihnen angemeldet. Den Impuls dazu habe ich von einer mir sehr vertrauten Person bekommen. Sie riet mir ehrlich und direkt, der ‚selbstgewählten Einsamkeit‘ aktiv entgegenzutreten und mich in einem Onlineportal für Beziehungssuchende zu tummeln. Die Person gab mir deutlich zu verstehen, dass sie genau Null Personen kenne, die sich in der Disco gefunden haben und dass die adretten Damen an der Einkaufstheke und an der Bushaltestelle eben kein Schild mit der Aufschrift ‚noch zu haben‘ um den Hals trügen.
Genau diesen Vorteil aber hätten die Frauen in den digitalen Kennenlernzentren. Sie meinte, der Mut sich dort zu präsentieren und zu sagen ‚Seht her, das bin ich und ich suche eine schnuckelige Frau‘ wäre zunächst notwendig und würde alsbald auch belohnt werden. So sollte es kommen.
Nach zaghaftem Rumstöbern und vorsichtigen E-Mail-Kontakten war ich erst verwundert, wen es da so alles zu begutachten gab, dann enttäuscht, wer sich alles nicht bei mir zurückmeldet. Dann habe ich noch ein bisschen an meinem Profil gebastelt, dennoch darauf geachtet, dass ich meine Vorzüge einigermaßen ehrlich, selbstbewusst und auch unverwechselbar anpreise. Mit einer ersten Frau habe ich mich nach ein paar Mails getroffen, wir hatten ein paar schöne Abende, haben aber dann wieder Abstand genommen. Schon kurz darauf meldete sich eine andere Dame, deren erste Mail ich geflissentlich ‚übersah‘, weil mir ihre Bilder überhaupt nicht gefielen. Nach ihrer entrüsteten Protestmail, dass ich mich wenigstens mal zurückmelden könnte, verbunden mit einer spontanen Biereinladung (sie wohnte im nächsten Stadtteil, nur 10 Minuten entfernt) antwortete ich ‚Na klar, ein Bier ist immer gut‘ und dachte mir, ‚was soll´s - bisschen nett plaudern, und dann muss ich wieder zurück an meinen Schreibtisch‘.
Tja, was soll ich sagen - ich konnte nicht glauben, dass die hübsche, quirlige Frau, die mir plötzlich beim Bier gegenübersaß, dieselbe sein sollte, wie die auf diesen merkwürdigen Profilfotos. Sie sagte dann, sie hätte schon so etwas vermutet, wollte mich deshalb einfach nur kennenlernen und im Übrigen sähe mein Foto auch nicht besser aus. Es wurde ein langer, anregender Abend mit einem ausgedehnten Spaziergang und ohne zügige Rückkehr an den Schreibtisch.
Nun sind wir seit fast einem Jahr ein Paar. Wir waren gemeinsam im Urlaub, waren Segeln und auch unsere Kinder verstehen sich gut. Nun halten wir nach einer Wohnung Ausschau und müssen die alten Babysachen doch noch nicht verschenken...
P.S. Am hilfreichsten fand ich den Ratschlag: ‚Nicht lange hin- und herschreiben, sondern kurz ein paar Informationen austauschen und dann so schnell wie möglich einander gegenübersitzen‘ - ab da gelten nämlich dieselben Naturgesetze, wie ohne Internet!
Alexander“
Anna:
"Angefangen hat es eigentlich damit, dass ich es müde war, keine Antworten auf meine Nachrichten an vermeintlich attraktive parship-Mitglieder zu bekommen. Als ‚Kasper‘ (mein Nickname für ihn) ebenfalls nicht antwortete, änderte ich die Strategie: ein Lächeln hinterher mit dem direkten Angebot, doch gemeinsam ein Bier trinken zu gehen, in einer Kino-Bar, die "Kasper" gefallen musste, wenn ich ihn richtig einschätzte.
Vielleicht war das überzeugender als mein Foto: Bier trinken sei immer gut, war seine Antwort. Und um keine aufwendigen Blumenbouquets als Erkennungsmerkmal zu benötigen, schaltete er sein Bild frei - was ebenso wenig anziehend war wie meines wahrscheinlich. Zu unserem Glück stand das Date schon.
So außergewöhnlich wie dieser Abend dann wurde, mit einer winterlichen Wanderung durch den Auwald und erheiternden italienischen Gesangeinlagen, ist es seither fast immer mit uns gewesen. Eine Entdeckungsreise - sei es örtlich: auf dem Segelboot nach Rügen, mit dem Flieger nach Riga oder mit dem Esel auf die Wartburg - aber auch was uns beide angeht. Jeden Tag entdecken wir neue kulinarische Raffinessen, Filme, Restaurants und sonstige Leidenschaften. Jeden Tag neu wachsen wir ein Stückchen mehr zusammen. So weit, dass jetzt sogar schon ein Baby in meinem Bauch heran gedeiht. Im Juni soll es schlüpfen. Wie wir das dann mit unseren anderen drei Kindern hinkriegen, das wissen wir auch noch nicht so genau. Es wird wohl ebenso außergewöhnlich werden wie alles Bisherige.“