"Es war nicht meine Idee, mich bei Parship anzumelden. Ich hielt das für eine unromantische, von vornherein zum Scheitern verdammte Aktion und sicher nicht für den richtigen Weg, einen Lebenspartner zu finden. Doch meine große Schwester drängelte: 'Zwei Jahre bist du nun alleine! Es wird Zeit, dass du wieder jemanden suchst. Geh ins Internet, ich unterstütze dich.' Und da das neue Jahr anbrach mit seinen Wünschen und Vorsätzen, sprang ich über meinen Schatten und dachte: 'Schaden kann es ja nicht.'
In den ersten Monaten passierte gar nichts. Ich wurde zahlreich angeschrieben, aber zumeist verschwand mein Interesse mit den ersten Fotos oder es blieb bei einer harmlosen Korrespondenz. Von Zeit zu Zeit änderte ich mein Profil, um es meiner jeweiligen Stimmung anzupassen. Dann kam der Wonnemonat Mai und mit ihm eine Mail, die sich durch Frechheit und Charme grundlegend von den anderen unterschied. Aha - da möchte jemand Spaß. Die Fotos gefielen mir ausgesprochen gut. Bisher hatten mir die Fotos der Männer nicht gefallen, aber diese Fotos waren wirklich ansprechend. Ich zeigte sie meinen Freundinnen und wir kamen überein, dass sich ein Treffen mit diesem Mann lohnen könnte.
Nach einem sehr charmanten und viel versprechenden Mailverkehr kam es zum ersten Treffen. Der Mann, den ich traf, hatte eine komplett andere Stimme als ich es mir vorgestellt hatte - und er lachte sehr, sehr viel. Außerdem sah er nicht halb so gut aus wie auf den Fotos. Ich war sehr enttäuscht und verkrampft. Als ich über mein Handy angerufen wurde, telefonierte ich zehn Minuten lang. Als der Tee in dem kleinen Café getrunken war und das Treffen dem Ende zuging, entspannte sich plötzlich die Atmosphäre. Wir hatten über irgendetwas gesprochen, wo die Ernsthaftigkeit in diesem Mann auftauchte, die ich auf den Fotos zu sehen geglaubt hatte. Ich wurde neugierig und plötzlich ruhig und klar. Ich schlug vor, an der Ecke noch ein Eis zu essen und uns auf eine Brücke im Park zu setzen.
Als wir da saßen, änderten sich die Gesprächsthemen. Wir sprachen plötzlich über Beziehungen, die wir gehabt hatten, über eigene Unzulänglichkeiten und Ängste. Ich wusste, dass ich nicht die Einzige war, mit der er sich traf, und ließ das auf spielerische Weise durchblicken. Als wir uns trennten, hatte ich ein unbestimmtes Gefühl, dass dieses Date mich nicht loslassen würde ...
Ich erzählte meiner Freundin von dem Mann. Sie kannte ihn und hatte früher mit ihm zusammengearbeitet, sie mochte ihn. Ich rief ihn wieder an. Voller Freunde rief er meinen Namen, als er an das Telefon ging. Diesen Ausruf werde ich nie vergessen. Das zweite Treffen dauerte ungeplante 24 Stunden und wir wollten uns nicht mehr trennen. Wir trafen uns fast jeden Tag und nach zwei Wochen entschieden wir, dass wir zusammen sind.
Das ist jetzt ein Jahr her. Nach einem Kurzurlaub auf Usedom und einem kleinen Krankenhausaufenthalt von mir entschieden wir uns für ein gemeinsames Leben. Der Mann wohnt jetzt bei mir. Ob wir glücklich bleiben, wissen wir nicht, aber wir haben es fest vor."